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Urvertrauen aufbauen - Warum Urvertrauen nichts mit Gott und alles mit Dir zu tun haben könnte

  • migre0
  • 30. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Was ist Urvertrauen überhaupt?



Ein Notizbuch auf einem alten Holzschreibtisch. Daneben eine Tasse. Durch das Fenster vor dem Schreibtisch fällt warme Abendsonne. In dem Notizbuch steht handgeschrieben: "Ich bin da"

Ich habe dem Leben nicht vertraut.

Ich habe keinem Menschen vertraut.

Und ich habe, vor allem, mir selbst nicht vertraut.


Nicht, weil ich wirklich gute Gründe dafür hatte.

Ich bin, im Laufe meines Lebens, unendlich vielen wunderbaren Menschen begegnet.

Und auch das Leben war im Grunde immer nett zu mir.

Egal was ich tat, irgendwie war doch immer für mich gesorgt.


Und doch war da dieses tiefe Misstrauen in mir, das sich heimlich vor jede Begegnung, jedes Geschenk und jede Erfahrung geschoben hat. Wie eine graue Wolke, die alles ein kleines bisschen dunkler einfärbt, als es in Wahrheit war.


Den grössten Teil meines Lebens, war ich mir dessen gar nicht bewusst.

Wie auch? Ich kannte es ja nicht anders und habe es so, für den Normalzustand gehalten.

Aber irgendwann kam eben die Erkenntnis: Mir fehlt es an Urvertrauen.

Und an dieses Urvertrauen schien wohl jegliches Vertrauen gekoppelt zu sein.


Vielleicht habe ich jahrelang die falsche Frage gestellt


Natürlich habe ich mich gefragt, wann Urvertrauen in einem Menschen entsteht.

Und die Erkenntnis war erschütternd. Denn ich dachte wirklich, dafür war es jetzt zu spät.

Also habe ich die letzten Jahre damit verbracht herauszufinden, wie ich dieses Vertrauen in die Welt, das Universum oder Gott, denn heute aufbauen könne.

Und tatsächlich, habe ich darauf keine Antwort gefunden.

Klar tut es gut und ist hilfreich zu lernen, an eine höhere Macht zu glauben und ihr einen Teil seiner Last abzugeben. Aber wirklich tiefgreifend, hatte sich für mich dadurch nichts verändert.


Heute glaube ich, dass ich mal wieder die falsche Frage gestellt habe.

Denn ich habe Urvertrauen für einen Zustand gehalten, den man entweder hat oder nicht. Und wenn man ihn nicht hat, irgendwann wieder zurückbekommt.

Und nach diesem Zustand habe ich gesucht.

Aber vielleicht ist es ganz anders.

Vielleicht ist Urvertrauen ja gar kein Zustand.

Vielleicht bedeutet Urvertrauen einfach, für sich selbst zu einem Menschen zu werden, auf den man sich verlassen kann.


Urvertrauen entsteht durch kleine Erfahrungen


Heute sehe ich Urvertrauen als eine Art Beziehung.

Eine Beziehung zu mir.

Zum Leben.

Zu anderen Menschen.

Und Beziehungen entstehen selten durch einen großen Moment.

Sie entstehen durch viele kleine Erfahrungen.

Ein gehaltenes Versprechen.

Ein veröffentlichter Blog.

Ein aufgenommenes Video.

Eine bezahlte Rechnung.

Ein Spaziergang mit dem Hund.

Jede einzelne dieser Erfahrungen sagt vielleicht leise:

"Du kannst Dich auf mich verlassen."

Und irgendwann...

...wird aus tausend kleinen Erfahrungen etwas, das sich plötzlich wie Urvertrauen anfühlt.


Ich habe irgendwann damit begonnen, bei mir zu bleiben, auch wenn es mal richtig ungemütlich wird. Ich habe aufgehört Gras zu rauchen oder zu trinken, wenn es mir nicht gut geht. Und ich habe begonnen, mich in diesen Momenten selbst zu halten.

Nichts tun. Einfach nur da sein.


Warum gehaltene Versprechen unser Vertrauen verändern


Und irgendwann begann ich, mir selbst wieder zu glauben.

Nicht durch große Entscheidungen. Sondern dadurch, dass ich immer häufiger tat, was ich mir selbst versprochen hatte.


Ich veröffentliche jeden Donnerstag einen Blogbeitrag. Und ich schreibe und bearbeite ihn, völlig egal, ob ein Teil in mir dagegen protestiert.

Nicht, weil die Stimme nicht mehr da wäre. Sondern weil ich mich von dieser Stimme nicht mehr lenken lasse.


Das sieht dann ungefähr so aus:

Es ist Mittwoch Nachmittag. Morgen um 13.00 Uhr ist der Veröffentlichungstermin.

Ich sitze in meinem Garten und habe keine Lust.

Es schreit in mir:

"bäähh...ich will nicht."

"Ich bin so unkreativ."

"Und ausserdem hab ich ja gar keine Ahnung, worüber ich überhaupt schreiben soll."

Ich habe keine Lust. Und stehe trotzdem auf und setze mich vor meinen Computer.

Aber ich lasse diese Gedanken nicht draussen. Ich nehme sie mit.

Und schreibe mit ihnen.


Auch mache ich Videos für Youtube. Einmal die Woche entsteht ein neues Video.

Ich spreche ein, destilliere, scripte und nehme auf.

Egal, wie wenig Lust ich darauf habe.

Und spannenderweise entstehen oft genau an den Tagen, an denen ich eigentlich gar keine Lust hatte, die besten Beiträge und authentischsten Videos.


Verlässlich sein, ohne sich selbst zu verraten


Ich habe Deadlines schon früher geliebt. Denn erst habe ich lange gar nichts getan, um dann kurz vorher zu Höchstleistungen aufzulaufen und abzuliefern.

Aber viel zu oft habe ich mich dabei übergangen.

Heute ist das anders. Auch, wenn es weiter oben vielleicht so klingen mag.


Denn früher habe ich durchgezogen, egal wie es mir ging.

Es gab nur die Wahl zwischen: "Ich bin verlässlich" oder "Ich höre auf mich."

Heute höre ich auf mich, gerade damit ich langfristig verlässlich sein kann.

Ich tue die Dinge nicht mehr "trotz" fehlender Energie.

Ich tue sie "mit" dieser fehlenden Energie.

Und manchmal stelle ich mittendrin fest, dass einfach gar nichts geht.


Und dann lasse ich es.

Denn ich habe es versucht.

Früher habe ich geglaubt, ich müsste mich verraten, um zuverlässig zu sein.

Heute entdecke ich, dass beides gleichzeitig möglich ist.

Wenn ich mir etwas verspreche, dann bemühe ich mich von Herzen, es zu halten.

Und wenn ich merke, dass für heute genug ist, dann kann ich mir auch darin vertrauen.


Vielleicht entsteht Urvertrauen nicht dadurch, dass das Leben endlich beweist, dass es vertrauenswürdig ist.

Sondern dadurch, dass ich für mich selbst zu einem Menschen werde, auf den ich mich verlassen kann.


Vielleicht beginnt Vertrauen genau hier.

Nicht bei der Frage, ob das Leben vertrauenswürdig ist.

Sondern bei der Frage:

Kann ich mich heute auf mich selbst verlassen?


Wenn Dich dieser Gedanke begleitet, findest Du auf glück³ weitere Texte über Angst, Gefühle, Einsamkeit und den Weg zurück zu Dir selbst.


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