Warum fällt es mir so schwer, glücklich zu sein?
- migre0
- 9. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 4 Tagen
Warum kann ich mein Leben nicht genießen?

Nun sass ich da.
In der Sonne auf meiner Terrasse.
Mitten in der Natur.
Ich hatte Zeit, mein Hund lag neben mir, die Bienen surrten und die Grillen zirpten.
Ich hatte (fast) alles, was ich mir jemals gewünscht habe.
Und trotzdem hatte ich nicht das Gefühl glücklich zu sein.
Ich war unruhig. Obwohl eigentlich alles gut war.
Nein, ich war nicht unglücklich. Aber glücklich?
So hat sich das nicht angefühlt.
Und dann kamen die Gedanken und mit ihnen die Schuldgefühle:
"Bin ich einfach nur undankbar?"
oder
"Kann ich gar nicht glücklich sein?"
oder auch
"Fehlt mir noch etwas zum Glück?"
Und ganz sicher:
"Warum fällt es mir so schwer, glücklich zu sein?"
Warum Glück manchmal Angst macht
Also habe ich damit begonnen mich zu beobachten.
Und was ich dabei entdeckt habe, hat mich wirklich überrascht.
Ich hatte Angst davor, glücklich zu sein.
Nicht, weil Glück etwas schlimmes sei.
Sondern weil Glück in meinem Leben nie Bestand hatte.
Es war immer schneller wieder weg, als es gekommen war.
Also habe ich mich in einer Hab-Acht-Stellung befunden.
Denn Glück bedeutete für mich nicht Glück.
Glück bedeutete Gefahr.
Denn es kommt ganz sicher jemand und nimmt es mir wieder weg.
Wirklich erschreckend war für mich auch die Erkenntnis, dass ich das Gefühl von Glück, gar nicht halten kann. Als ich begann, meine Gefühle bewusst zu fühlen, kam nach all dem Schmerz und der Angst, das erste Mal auch das Glück.
Endlich, dachte ich.
Und musste nach noch nicht mal 10 Minuten das Fühlen abbrechen und irgendetwas tun, weil ich es nicht ausgehalten habe.
Ist schon eigenartig. Da trage ich Schmerz und Angst über Jahrzehnte mit mir.
Aber Glück ertrage ich keine 10 Minuten.
Meine Komfortzone waren Probleme
Irgendwie scheint das alles schon recht früh in meinem Leben normal geworden zu sein.
Also habe ich gelernt, mich nicht auf das glücklich sein zu fokussieren.
Ich begann, mich auf Probleme zu fokussieren.
Denn davon waren reichlich da. Und es gab einen schier unermesslichen Nachschub davon.
Eins wusste ich sicher: Das Glück blieb ganz sicher nicht.
Worauf ich mich aber verlassen konnte, war, dass Schmerz, Enttäuschung und Probleme blieben. Egal was ich tat.
So wurden Probleme zu meiner Komfortzone.
Auch, wenn ein Teil von mir sie eigentlich gar nicht wollte.
Sie waren das, was ich kannte. Also pflegte ich sie.
Der Gedanke der alles verändert hat
Ich dachte jahrelang, dass ich mich selbst sabotiere.
Dass ich mir einfach kein Leben erschaffen kann, dass mich glücklich macht.
Vielleicht sogar, dass ich unfähig bin, glücklich zu sein.
Heute glaube ich, dass ich mich einfach nur vor einer Enttäuschung geschützt habe, die ich für unvermeidlich hielt.
Denn Glück war für mein System nie sicher.
Vielleicht ist das, was wir Selbstsabotage nennen, ja ein Wirklichkeit ein sehr wirksamer Schutz vor Enttäuschung.
Mir zumindest hilft er, Frieden mit mir selbst und all meinen "Fehlern" zu finden.
Was sich heute verändert hat
Es ist nicht so, dass ich heute ständig glücklich wäre.
Aber etwas in mir hat sich verändert.
Ich habe verstanden, dass sich mein Leben nicht noch weiter verändern muss, damit ich glücklich sein darf. Ich darf mir nur erlauben, glücklich zu sein.
Und mein Nervensystem darf langsam lernen, dass das Gute bleiben darf.
Ohne, dass es dabei in Gefahr gerät.
Ausserdem habe ich gelernt, dass das Glück, dem ich mein Leben lang hintergerannt bin, nicht das Glück ist, was wirklich Bestand hat.
Mein Glück heute ist nicht mehr laut oder spektakulär.
Es ist auch nicht euphorisch.
Es ist ruhig.
Unscheinbar.
Leise.
Manchmal sogar ruhig.
Das fühlt sich manchmal fremd an. Ist aber weitaus weniger anstrengend.
Ich habe all den leisen Gefühlen, früher in meinem Leben, gar keine Aufmerksamkeit geschenkt. Heute sind sie das Wertvollste was ich habe.
Vielleicht kennst Du diese innere Stimme auch.
Die Stimme die sagt: Es reicht noch nicht.
Ich frage mich heute oft: Wird es jemals genug sein, wenn ich dieser Stimme mein ganzes Leben lang folge?
Vielleicht besteht Glück gar nicht darin, endlich genug zu haben.
Vielleicht beginnt es in dem Moment, in dem wir aufhören, ständig nach dem nächsten "Genug" zu suchen.




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