Wie Du weniger Zeit am Handy verbringst – ohne gegen Dich zu kämpfen
- migre0
- vor 3 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Warum Du Dein Handy nicht einfach weglegen kannst

Na, bist Du schon wieder am Handy?
Wolltest Du nicht eigentlich weniger Zeit mit diesem Ding in der Hand verbringen?
Denn Du spürst ja, dass es Dir nicht wirklich gut tut.
Und Du siehst auch, wie viel Deiner wertvollen Lebenszeit, von diesem kleinen schwarzen Loch absorbiert wird.
Aber Du kommst nicht davon weg. Es fühlt sich fast so an, als würdest Du diesen Teil Deines Lebens gar nicht unter Kontrolle haben. Irgendwie, wie fremdgesteuert.
Ein totaler Kontrollverlust. Fast schon, wie eine Sucht.
Ich neige erfahrungsgemäss dazu, recht offen für tendenzielles Suchtverhalten zu sein. Ich weiss, wie es sich anfühlt, süchtig zu sein.
Ich rauche seit über 30 Jahren Tabak.
Ich habe 25 davon, zusätzlich Unmengen von Gras in Rauch verwandelt.
Ich habe so gern getrunken, dass ich Barkeeper geworden bin. Und ich war DJ und Eventmanager, weil ich so gern gefeiert habe.
Wenn ich nun meinen Umgang mit dem Handy genauer betrachte, ist dort kein signifikanter Unterschied zu meinem Umgang mit Substanzen wahrzunehmen.
Und rate mal was passiert ist, immer wenn ich mit einer von diesen Substanzen aufhören wollte? Nichts. Es ist alles so geblieben. Nur ich hatte ein noch schlechteres Gewissen dabei.
Was wirklich passiert, wenn es still wird
Ich glaube, mit irgendetwas aufzuhören, was sich als Muster eingebrannt hat, gehört mit zu den schwierigsten Dingen, die wir Menschen wohl tun können. Denn Muster sind oft unbewusst. Sie geschehen einfach. Als oft nicht bewusst wahrgenommene Reaktion des Nervensystems.
In meinem Beitrag über Doomscrolling erfährst Du, warum es Dir so schwer fällt, das Handy mal beiseite zu legen.
Was wäre, wenn genau dort, aber auch der Schlüssel zur Veränderung läge.
Nicht in der Veränderung selbst. Sondern in der Wahrnehmung dessen, was heute ist. Ich habe etwas ausprobiert.
Ich habe begonnen zu beobachten, wann ich mein Handy in die Hand nehme.
In welchen Situationen.
Bei welchen Gefühlen.
An welchen Orten.
Was ich gerade nicht tun will und stattdessen aufs Display starre.
Es sind vor allem Momente der Stille.
Momente, in denen ich nichts zu tun habe.
Ich mich nicht ablenken kann.
Es keine Aufgabe für mich gibt.
Dann, wenn die Aussenwelt für einen Moment still wird und ich kurz ganz allein mit mir bin. Und dem Leben.
Dann, wenn es still von aussen wird und ich meinem Inneren zuhören muss.
Dann gibt mir das Telefon Sicherheit.
Es gibt mir Verbindung. Information. Und schafft Orientierungspunkte für mein Nervensystem.
Haltepunkte. Für ein System das gelernt hat, dass Stille, Ruhe und nichts tun Gefahr bedeutet.
Der erste Schritt ist nicht Veränderung
Wie kann man sich den übermässigen Handykonsum nun abgewöhnen?
Vielleicht geht es ja gar nicht primär darum, dass Du Dir irgendetwas abtrainierst. Vielleicht geht es erstmal nur darum, Bewusstheit zu schaffen.
Bewusste Wahrnehmung dorthin richten, wo sie vorher noch nicht war. Ins unbewusste.
Sprich jedes mal, bevor Du Dein Telefon in die Hand nimmst, laut aus, was Du jetzt tust. Mach Dir kurz den Gedanken, warum Du jetzt Dein Handy in die Hand nimmst.
E-Mails checken? Etwas googeln? Kucken, wie gut es anderen Menschen geht?
Finde Deine Antwort, sprich sie laut aus und nimm dann erst Dein Handy in die Hand.
Mach das mal für einen Tag. Eine Woche. Vielleicht einen Monat. Und schaue, was passiert.
Denn vielleicht ist der erste Schritt zur Veränderung nicht die Veränderung selbst. Sondern das Wissen, warum ich etwas tue.
Wenn Du beim Lesen gemerkt hast, dass es Dir nicht nur schwerfällt, das Handy wegzulegen, sondern dass Du oft automatisch scrollst, könnte Dich auch dieser Beitrag interessieren:
Darin geht es darum, was in unserem Nervensystem passiert, wenn wir ständig nach neuen Informationen suchen. Und warum der Griff zum Handy oft viel weniger mit Willenskraft zu tun hat, als wir glauben.




Kommentare