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Warum Doomscrolling nichts mit Disziplin zu tun - sondern mit Deinem Nervensystem

  • migre0
  • 26. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Du hast schon wieder Stunden auf Social Media verbracht?

Hast Dir Shorts auf Youtube oder Reels auf Instagram reingezogen, obwohl Du mit Deiner Zeit eigentlich etwas viel Besseres anzufangen wüsstest?

Oder Du schaust als erstes beim Morgenkaffee auf Facebook, obwohl Du vorher weisst, dass es Dir danach schlechter geht als vorher?

In diesem Beitrag erkläre ich Dir, warum Du das tust, obwohl Du es eigentlich besser weisst.

Warum Du scheinbar machtlos dagegen bist

Vielleicht kennst Du das: Du setzt Dich hin und als allererstes zückst Du Dein Handy, um auf irgendeiner Social Media Plattform nach Neuigkeiten zu schauen.

Und das obwohl Du vorher weisst, dass es dort keine Neuigkeiten für Dich gibt, die Dich wirklich weiterbringen.

Es fühlt sich fast an wie ein Zwang.


Da Du weisst, dass Dir dieses Doomscrolling nicht gut tut und Dir einen Haufen wertvolle Zeit stiehlt, widerstehst Du dem ersten Impuls.

Die Leere die dann in Dir entsteht ist kaum auszuhalten.

Also tust Du es trotzdem.

Obwohl Du es eigentlich besser weisst.


Was passiert dabei wirklich in Dir?


Es ist wichtig zu wissen, dass Dein Handeln nicht von Deinem Verstand gesteuert wird.

Dein Handeln wird von Deinem Nervensystem kontrolliert.

Und Dein Nervensystem versucht zu regulieren. 24 Stunden am Tag.

Genau dort setzt die Mechanik von Social Media an.


Was Dein Nervensystem beim Scrollen wirklich sucht

Dein System ist nicht auf der Suche nach Information, Unterhaltung oder einem einfachen Zeitvertreib.


Dein System sucht nach folgendem:


  1. Dopamin in Mikrodosierung

    Jeder neue Post setzt eine Mini-Portion Dopamin frei. Und die konstante Freisetzung von Dopamin macht "abhängig".

    Dort auf dem Sofa, mit dem Handy in der Hand, bist Du währenddessen sicher.

    - es ist nicht anstrengend

    - Du musst keine Entscheidungen treffen

    - Du trägst kein Risiko


Dies sind die besten Voraussetzungen für ein System, das überreizt, müde oder leer ist.


  1. Orientierung durch Vergleich

    Auch wenn es vielleicht paradox klingt, aber Drama, Konflikte, Empörung und negative Inhalte, geben Deinem System Referenzpunkte.

    In Deinem System passiert folgendes:

    "Da ist etwas. Da passiert etwas. Ich bin noch da."


Nicht weil Du dem Gesehenen zustimmst, sondern weil Dein System sich daran orientieren kann.


  1. Kontakt ohne Beziehung

    Während Du scrollst, wird Deinem System Nähe simuliert. Du hörst Stimmen, siehst Gesichter, nimmst Emotionen wahr und hörst Meinungen.

    Und das alles, ohne das Risiko echter Beziehungen einzugehen.

    Weder trägst Du in irgendeiner Form Verantwortung, noch kannst Du wirklich verletzt werden.


Das ist unglaublich verführerisch für Menschen die viel alleine sind und/oder viel innerlich arbeiten.


Warum Bewusstseinsarbeit das Scrollen erstmal verschlimmern kann

Du übernimmst immer mehr die Verantwortung für Dein eigenes Leben, arbeitest konsequent an Dir, entfernst Stück für Stück all die Dinge, die Dir nicht gut tun...

...und ertappst Dich trotzdem immer und immer wieder beim Scrollen?


Du hast bei Deiner inneren Arbeit alte Spannungen gelöst, hast die Kämpfe in Dir (gegen Dich selbst) beendet und den ewigen Dauerstress gelöst. Ich gratuliere!

Aber was dann entsteht, hat Dir vorher niemand verraten.

LEERE.

Keine spirituelle Leere.

Keine depressive Leere.

Sondern eine Leere, die aus der fehlenden Anspannung entsteht.

Für Dein Nervensystem gestaltet sich das so:

"Moment mal....das ist neu, das kenne ich nicht!! Wo ist der Druck? Wo ist die Aufgabe?"


Scrollen füllt diese Leere.


Warum Kontrolle nicht funktioniert

Vielleicht hast Du es ja selbst schon gemerkt. Je mehr Du dabei kontrollieren willst, desto mehr Druck baut sich in Dir auf. Und dieser Druck verlangt nach Ausgleich (Regulierung). Und diese Regulierung findet über das Scrollen statt.

Und zack, befindest Du Dich wieder in einem Teufelskreis.


"Ich darf nicht..."

"Ich muss weniger..."

"Ich sollte doch wissen..."

...funktionieren einfach nicht.

Nie.


Was wirklich hilft, ohne Dir dabei selbst wehzutun

Hör damit auf, Dir etwas zu verbieten. Hör auf, diesen Zustand zu bekämpfen.

Und höre vor allem auf damit, zu analysieren, warum Du das tust.


Beginne stattdessen, diese Muster auf Nervensystemebene zu ersetzen.

Zum Beispiel:

  • richte Dir gezielt kurze offline Zeiten ein (10 - 15 min)

  • reguliere Dich auf körperlicher statt mentaler Ebene (atmen, laufen, kleine Sporteinheiten)

  • richte Dir kleine Zeitfenster ein, in denen Du gezielt gelangweilt bist. Verzichte auf jeglichen Input und beginne Dich zu fühlen.

  • gestalte Dir bewusst weiche Übergänge (noch 3 Minuten o.ä.)


Und das Wichtigste dabei: bleibe liebevoll mit Dir selbst, falls Du doch noch mal scrollst.

Denn jedes "warum tue ich das eigentlich noch", füttert das, wovon Du eigentlich weg willst.


Das Wichtigste zum Schluss

Die Erfahrung, die Du gerade machst, ist kein Zeichen von Schwäche.

Sie ist vielmehr ein Zeichen davon, dass:

  • Dein Nervensystem sich neu kalibriert

  • alte Muster nicht mehr passen

  • neue Muster noch nicht stabil sind


Vertraue darauf, das Scrollen wird weniger, wenn dein System lernt, Sicherheit ohne Reiz zu halten.


Nicht durch Willenskraft.

Sondern durch Erfahrung.


Wenn Du Dich hier wiedererkennst: Du bist nicht kaputt.

Dein Nervensystem versucht gerade nur, Dich zu schützen.


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